Kein Aprilscherz – lustige Gesetze in Deutschland

31/3/2017
Lebensart

Es ist ein lustiges Gesetz, wenn auch inoffiziell – jährlich am 1. April wird allerorten nach dem witzigsten Streich und der raffiniertesten Finte gesucht. Das kann der kleine Streich daheim, ein „Prank“-Video bei YouTube oder auch eine fingierte Unternehmensmeldung mit kalkuliertem Medienecho sein. 

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April, April wird 2017 juristisch: Gesetze zum Schießen.

Lustige Gesetze: Nichts ist witziger als deutsche Bürokratie

Warum aber lange über einen Gag grübeln, wenn man auch einfach Gesetzeskataloge aus Deutschland zitieren kann. Denn dort wimmelt es nur so von lustigen Gesetzen. Absurde Realität schlägt Fantasie – unsere Top-7.

§ 1: Das Landesseilbahngesetz – we ❤ EU-Richtlinien

Es gibt lustige Gesetze in Deutschland, die gibt es nur, um Gesetze über das Erlassen von Gesetzen zu befolgen. Eines von ihnen ist das Landesseilbahngesetz von Mecklenburg-Vorpommern. Das Gesetz regelt die Betriebsgenehmigungen und die Aufsicht von Seilbahnen. Klingt durchaus nach einem deutschen Gesetz, das sinnvoll ist. Blöd nur, dass es im gesamten Bundesland keine einzige Seilbahn gibt. Hätte man jedoch auf dieses sinnlose Gesetz verzichtet, hätte es laut einer EU-Richtlinie zu einem Bußgeld bis zu 791.000 € kommen können.

§ 2: Sandburgen bauen – Strand ohne Schloss

Ich packe meinen Koffer und nehme mit – auf keinen Fall Schippe und Eimerchen für Deinen Urlaub an der Ostsee oder Nordsee. Denn hier ist es an vielen Küstenorten untersagt, Sandburgen zu bauen. Auch wenn es an Deinem Urlaubsort nicht strikt untersagt ist, wie etwa auf Sylt oder in Kiel, solltest Du Dich nach der genauen Gesetzeslage erkundigen, damit Du nicht mit Deiner sandigen Aktivität das Gesetz brichst. Denn an manchen Stränden gibt es Vorschriften über die maximalen Maße einer Sandburg. In Sierksdorf und Neustadt dürfen Sandburgen einen Durchmesser von vier Metern nicht überschreiten. In Kellenhusen, Großenbrode und am Südstrand auf Fehmarn sind es sogar nur drei Meter.

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Das Corpus Delicti: Unfassbar, welche kriminelle Energie manche Menschen aufbringen.

§ 3: Hüllenlos im Straßenverkehr – nackt im Auto

Wer schon einmal im August auf der Berliner A100 im Stau stand, weiß, dass jedes einzelne Kleidungsstück bei tropischen Temperaturen auf dem Asphalt eines zu viel ist. Die gute Nachricht: Du kannst alle Hüllen fallen lassen und Dich entspannt in Deinen Sitz sinken lassen. Der Innenraum Deines Autos gilt nämlich als privater Raum. Aber wehe, Du setzt im Adamskostüm einen Fuß vor Deine Autotür, dann greift nämlich der § 118 der Straßenverkehrsordnung und Du musst 40 € aus Deiner (nicht existenten) Hosentasche zücken.

§ 4: Aufgemerkt beim Gänsemarsch

Wer erinnert sich nicht an die alte Regel beim Schulausflug? In einer Reihe aufstellen, den Nachbarn an die Hand nehmen und im Gänsemarsch loswackeln. Dass Du dabei gelegentlich gegen das Gesetz in Deutschland verstoßen hast, dürfte Dir wohl neu sein. Laut §27 der Straßenverkehrsordnung ist es verboten, im Gleichschritt über Brücken zu marschieren. Die Verordnung stammt noch aus Kriegszeiten und sollte kleine Brücken vor dem Einsturz bewahren, da ein ganzer Trupp Soldaten im Marschschritt so einiges Unheil anrichten kann. Heißt im Umkehrschluss für Dich: Ab jetzt herrscht per Gesetz Anarchie beim Brückenüberqueren!

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Ist die Oberbaumbrücke gefährlich? Alle Vergnügungssüchtigen zwischen F-Hain und Kreuzberg sind betroffen.

§ 5: Sonnenschirm-Gate – Hessen, ein Traum in Beige

Bad-Sooden-Allendorf – Provinzperle in Nordhessen – ist bekannt für seine pittoreske von Fachwerkhäusern bevölkerte Altstadt. Weniger bekannt hingegen ist es für seine Liebe zu einer bestimmten Farbfamilie. Wenn die Gaststätten bei gutem Wetter ihre Sonnenschirme aufspannen, sind diese durchweg in Beige-, Sand- oder Pastelltönen gehalten. So will es der Gesetzgeber dieses lustigen Gesetzes. Tanzt ein närrischer Gastwirt aus der Reihe und spannt zum Beispiel einen roten Schirm auf, flattert ihm ein saftiger Bußgeldbescheid ins Haus.

§ 6: Explosive Stimmung – ein bisschen Schotter für viel Schutt

Wer kennt das nicht? Man werkelt so ein bisschen an seinem Chemie-Baukasten rum und bumm – schon hat man aus Versehen eine nukleare Explosion ausgelöst. Aber keine Sorge, wirklich schlimm ist so ein kleiner Atompilz ja nun auch wieder nicht. Denn laut StGB §328 Absatz 2.3 variiert das Strafmaß dafür zwischen einer Geldbuße und einer Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren – wahrscheinlich in Abhängigkeit von der Größe der Explosion.

§ 7: Kröten für Vögel – die Spatzensteuer

Keine Aufzählung von verrückten Gesetzen aus Deutschland, ohne sich in den Dschungel der Steuergesetze zu begeben. Auch heute noch mag Dir so manches Steuergesetz absurd erscheinen, den Vogel abgeschossen hat hier allerdings die sogenannte Spatzensteuer. Sie wurde 1789 unter anderem von Herzog Karl Eugen von Württemberg erlassen. Dem Gesetz zufolge musste jede Person jährlich zwölf lebende Spatzen abliefern und bekam dafür 6 Kreuzer. Lieferte man nicht genügend Federvieh ab, musste man selbst 12 Kreuzer zahlen.  

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"Einen hab ich, noch elf übrig. Der Herzog wartet. Ach Mist, es ist ja gar nicht 1789. Na dann, flieg weiter, junger Freund."

Und die Moral von der Geschicht?

Wenn Du dieses Jahr einen 1. April ohne Zahnpasta an der Türklinke, sensationelle News-Meldungen aus der Feder von PR-Spezialisten sowie weitere semi-witzige Scherzen erleben möchtest, mach es Dir mit guter Lektüre bequem. Wir empfehlen dafür die verschiedenen Rechts-Almanache dieser Republik – so viel Spaß hattest Du seit Jahren nicht mehr an diesem Tag.

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Franziska Schmidt

Aufgewachsen (und geboren) auf den Straßen Berlin-Kreuzbergs, bevor es cool war, ist Franzi inzwischen altersbedingt im beschaulichen Ü60-Bezirk Tempelhof untergekommen. Nachdem sie an der Freien Universität Berlin Hebräisch und Jiddisch gelernt hat, gab sie ihrem Leben unter anderem mit PR-Arbeit für DJ Tomekk und Sarah Wiener Sinn. Um sich von diesem Knochenjob abzulenken, gründete sie den FC Lambajuuun und ging auf Titeljagd in der Bunten Liga Berlin (drei Jahre in Folge das Double!!!). Siegverwöhnt und mit hohen Ambitionen betrat sie im Jahr 2016 das Vereinsheim der SpVgg DailyDeal und läuft seitdem unter tosendem Beifall in der Startelf der Redaktion auf.

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