Skurrile und schräge Osterbräuche weltweit

11/4/2017
Lebensart

Ostern verbinden die meisten Deutschen in erster Linie mit Schokohasen und Ostereiern, doch eigentlich ist Ostern eines der wichtigsten Feste auf dem christlichen Kalender. Durch die Kommerzialisierung des Osterfestes ist davon allerdings nicht mehr allzu viel zu spüren. Viele Kulturen feiern Ostern trotzdem weiterhin in traditionelleren Weisen und so haben sich zum Teil sehr skurrile Osterbräuche weltweit bewahrt. Wir geben Dir einen Einblick, auf welche überraschenden Arten das Osterfest rund um den Globus begangen wird.

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JC. Der Grund, warum wir Ostern feiern.

Alte Osterbräuche weltweit – warum feiern wir eigentlich Ostern?

Ostern ist das höchste Fest der Christenheit, weswegen es auch nicht sonderlich verwundert, dass es weltweit Osterbräuche gibt, die sich mitunter stark voneinander unterscheiden. Das liegt zum Beispiel an regionalen und kulturellen Besonderheiten, die sich trotz der Christianisierung gehalten haben, oder an lokalen Gegebenheiten, die den Osterbräuchen weltweit ihren Stempel aufdrücken.

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Die Auferstehung nach dem Kreuztod ist das wichtigste Ereignis in der christlichen Welt.

Allen christlichen Ostertraditionen ist jedoch der Anlass gemeinsam: die Auferstehung Jesu Christi. Eine Woche vor Ostersonntag beginnt die Karwoche, die gleichzeitig die letzte der 40-tägigen Fastenzeit ist. Der Begriff „kara“ kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutet „Kummer“, „Jammer“, „Klage“. Diese sieben Tage sind christliche Trauertage. Am Palmsonntag – dem Sonntag vor Ostersonntag – zieht Jesus in Jerusalem ein. Als Siegessymbole werden dem Messias Palmzweige auf seinen Weg gelegt. Am Gründonnerstag, dessen Namensbedeutung nicht gänzlich geklärt ist, fand das Letzte Abendmahl statt. Am darauffolgenden Freitag, dem Karfreitag, wurde Jesus von Pontius Pilatus zum Tode verurteilt und noch am selben Tag auf dem Hügel von Golgatha gekreuzigt.

Den weiteren Verlauf der Ostergeschichte kannst Du Dir in folgendem Video anschauen.

 

Wer bestimmt, wann Ostern ist?

Das Datum von Ostern variiert im Gegensatz zu Weihnachten jedes Jahr. Und viele Menschen (vielleicht auch Du) fragen sich, wie eigentlich das Datum des Osterfestes festgelegt wird und von wem? Ostern findet immer am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond statt, denn im Neuen Testament ereignete sich die Auferstehung von Jesus Christus in den Tagen des jüdischen Pessachfests, das seinerseits terminlich vom ersten Vollmond im Frühling abhängt. Diese lunare Festlegung wurde auf dem Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) getroffen. Alle weiteren christlichen Feiertage stehen in Abhängigkeit zu dem Osterdatum. Fun-Fact: Die Ostkirchen feiern nicht an demselben Datum wie die Westkirchen, da erstere nach dem julianischen Kalender gehen, die Westkirchen aber nach dem gregorianischen.

Skurrile und überraschende Ostertraditionen weltweit

Unsere Liste umfasst einige skurrile, vielleicht sogar für uns bizarr anmutende Ostertraditionen, die in ihrem jeweiligen Herkunftsland das Normalste von der Welt sind. Schließlich ist unsere Sicht der Dinge nicht die exklusiv richtige. Wir erinnern nur an die seltsamen Traditionen, an einem Donnerstag Krawatten abzuschneiden, an einem anderen Donnerstag mit einem Birkenzweig am Fahrrad alkoholisiert über die Nachbardörfer zu tingeln oder als lediger Mann bei dem eigenen dreißigsten Geburtstag die Treppen einer Institution zu fegen. Auf den ersten Blick auch nicht so sinnvoll, oder? Schauen wir uns also an, wie Osterbräuche weltweit aussehen. Die Liste mit seltsam anmutenden Traditionen ist beileibe nicht vollständig, aber sie gibt einen ersten Eindruck davon, wie vielfältig die Kulturen der Welt sind.

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Frühlingszeit, Osterzeit. Vom Blühen und Suchen.

Australien – es hat sich ausgehoppelt

Weniger religiös, sondern an die europäischen Oster(hasen)gepflogenheiten angepasst, präsentiert sich Australien. Aber hier wird Schokolade nicht in alle möglichen Hasenformen gegossen, denn das hoppelnde Säugetier ist in Australien verpönt. Der Hase entwickelte sich nach seiner Einführung aus Europa zu einer riesigen Bedrohung für einheimische Tierarten. Deswegen ziert die australischen Süßwarenregale nicht der Mümmelmann, sondern das Bilby, ein Beuteltier. Immerhin hat auch dieser fellige Zeitgenosse große Ohren.

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Definitiv kein Freund von Bilby: Prinz George.

Bulgarien – kirchliche Eierschlachten

In vielen osteuropäischen Kulturen ist es Tradition, die Ostereier gegeneinander klacken zu lassen. Der Besitzer des Eis, das von Bruchstellen verschont bleibt, soll im kommenden Jahr in verschiedensten Lebensbereichen am erfolgreichsten sein. Die Bulgaren sind einen Schritt weiter. Sie gehen bei ihrem Osterbrauch wohl weltweit am martialischsten vor, denn nach der Ostersonntagsmesse schmeißen alle Kirchgänger mit Ihren Ostereiern um sich. Dabei wird keine Rücksicht auf Kirchenwände oder Familienmitglieder genommen.

Griechenland – nächtliches Feuerwerk gone wild

Auf der Insel Chios in der Nördlichen Ägäis tobt pünktlich zum Ostersonntag ein nächtlicher Raketenkrieg. Zwei verfeindete Kirchengemeinden versuchen den jeweils anderen Glockenturm abzuschießen. Die beiden Kirchen liegen auf gegenüberliegenden Hängen des Dorftals etwa 400 Meter voneinander entfernt. Die Ursprünge des Rituals sind nicht ganz eindeutig. Die lokale Ostertradition sagt, dass es eine Verwirrtaktik war, um den osmanischen Besatzern, die die Insel im 19. Jahrhundert in ihrer Gewalt hatten, einen ordentlichen Schrecken einzujagen. Nachdem der Brauch etwas in Vergessenheit geriet, befeuern sich die beiden Parteien seit 1970 wieder jährlich mit allem, was die lokalen Feuerwerksverkäufer in ihren Lagerhallen haben. Wenn Du Griechenland gern ohne ein potentiell gefährliches Feuerwerk erleben möchtest, such Dir lieber eine dieser Inseln als Domizil aus.

 

Irland – Funeral for a Hering

Es gibt ja schon wirklich irrwitzige Osterbräuche weltweit, aber die Iren dürfen die meisten davon an Seltsamkeit locker übertrumpfen. In der Fastenzeit wird in vielen Kulturen kein Fleisch, sondern nur Fisch gegessen. Deswegen feiert man auf der grünen Insel das Ende der Fastenzeit mit einer Prozession. So weit, so gut. Es bedarf in Irland allerdings noch einer weiteren symbolischen Geste – einer Art Grablegung des Fastens. Wie bekommt man so etwas am einfachsten hin? Na klar, man beerdigt einfach Heringe. So führt die Prozession zu einer Wiese, auf der Mini-Gräber ausgehoben wurden, in denen die armen Heringe verscharrt werden. Fastenzeit adé.

Philippinen – Kreuzigung 2.0

Jedes Jahr begehen einige Philippiner das Osterfest in einer Art und Weise, die man wohl getrost als „Hardcore“ bezeichnen kann. Sie lassen sich nämlich im Andenken an das Opfer Jesu ebenfalls an ein Kreuz schlagen – mit echten Nägeln, die durch Handflächen und Füße getrieben werden. Dieses jährliche Karfreitagsritual geht bis in die 1950er-Jahre zurück und zieht oftmals eine Menge an, die in die Tausende geht. Die Gründe für diesen wohl härtesten Osterbrauch weltweit sind vielfältig. Einige nehmen an diesem Ritual teil, um sich für ein Wunder zu empfehlen oder sich für eines zu bedanken, andere möchten damit ihre Sünden sühnen. Die Philippiner sind nicht gerade zartbesaitet, wenn es um Ostertraditionen geht, denn abgesehen von den Real-Life-Kreuzigungen heben Eltern ihre Kinder auch am Kopf in die Luft. Im Glauben, sie würden dadurch besser wachsen.

 

Polen – Wässrige Komplimente

Der Ostermontag ist für jeden in Polen – egal, ob Mann oder Frau –, der gern trockenen Fußes seine Erledigungen macht, eine potentiell gefährliche Zeit. Denn an der jahrhundertealten Ostertradition „Smigus Dyngus“ bespritzen sich die Polen gegenseitig mit Wasser. Das kann ein leichtes Beträufeln sein oder aber ein bis zum Rand gefüllter Wassereimer. Im Mittelalter traf diese kalte Dusche vorrangig (hübsche) Frauen, denen damit ein Kompliment gemacht werden sollte. Im Laufe der Zeit wurde der „Smigus Dyngus“ aber zu einer Ostertradition, bei der sowohl Frauen als auch Männer Opfer von gefüllten Wassereimern und -pistolen werden können. Auch in der Slowakischen Republik, Ungarn und weiteren osteuropäischen Ländern gehört Wasser bzw. Parfüm zu dem Osterbrauchtum einfach dazu. Wenn Du auch mal das polnische Wasser im übertragenen Sinne kosten möchtest, empfehlen wir Dir allerdings eher die polnische Ostsee, die Du mit diesem günstigen Angebot erleben kannst.

Slowakische Republik – Zweige für Schönheit

Es ist in vielen europäischen Ländern Tradition, dass Frauen jährlich einmal mit Weiden- und Birkenzweigen gepiesackt werden – so zum Beispiel in der Slowakischen Republik, Tschechien und Finnland. Überall soll es den betroffenen Frauen Schönheit und Gesundheit bringen. In vielen Kulturen ist diese Tradition abgeleitet von dem Glauben an einen natürlichen Kreislauf, in dem der Frühling die Zeit der Wiedergeburt ist. Dabei ist es aber nicht so, dass die Frauen mit den Zweigen verprügelt werden, sie erfahren viel eher ein leichtes Tätscheln. Alles andere wäre auch völlig inakzeptabel. Wie in Polen ist es auch in der Slowakischen Republik Ostertradition, dass Frauen zusätzlich Komplimente in wässriger Form bekommen. Insgesamt gehen die Osterbräuche weltweit nicht gerade glimpflich mit dem schöneren Geschlecht um.

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Da hängen sie noch ganz unschuldig, die Zweige an der Weide. Nichts ahnend, für welche Zwecke sie bald missbraucht werden.

Spanien – düstere Osterprozessionen

In einigen Regionen Spaniens ist Ostern eine besonders emotionale und atmosphärische Angelegenheit – vorrangig sind hier Valladolid und Andalusien. Die Karfreitagsprozessionen sind durchzogen von in Roben gehüllten Mitgliedern verschiedener Bruderschaften (Capuchones). Sie präsentieren der faszinierten Menge Kastilische religiöse Statuen zu dem düsteren Klang von Trommeln und Blasmusik. Während sie reiten, rezitieren die Capuchones poetische Verse, was dem Treiben noch mehr Dramatik verleiht. Die Karwoche (Semanta Santa) ist ein dunkles Spektakel, das durch die Hingabe, Farbauswahl und Musik auch Nichtgläubige in seinen Bann schlägt. Spanien hat sich viele Traditionen und Mysterien bewahrt. Geh ihnen bei Deinem nächsten Spanien-Urlaub in einer Region Deiner Wahl auf den Grund.

 

Diese Infografik von Sofatutor zeigt Dir anschaulich auf einen Blick noch weitere Osterbräuche aus ganz Europa. Du hast gesehen, dass Ostertraditionen weltweit in sehr verschiedenen Formen auftreten. Ihnen allen ist jedoch gemein, dass sie ungemein wichtig für die jeweilige Kultur und Gesellschaft sind. Sie haben eine identitätsstiftende Funktion für das Volk, das sie feiert – auch wenn uns manches Ritual befremdlich vorkommt.

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Gordon Herenz

Gordon, gebürtiger Lektor mit Vorliebe für das Schreiben von Online-Content, ist für das Textkonvolut im DailyDeal-Magazin verantwortlich. Seine Leidenschaft für das geschriebene Wort wurde früh von seiner Oma geweckt, die ihm unter Blut, Schweiß und Tränen bei seinen Hausaufgaben half. Ab der Gymnasialzeit in Cottbus schaffte er es, seine Gedichtinterpretationen auch weitestgehend allein zu bewältigen. Ein Erfolg, der ihn dazu verleitete, sich als Germanistik-Student in Potsdam zu verdingen. Stationen an der Uni und in der Start-up-Landschaft von Berlin-Mitte folgten, bevor es ihn 2016 nach Alt-Moabit zu DailyDeal verschlug. Seine freie Zeit verbringt er damit, Aufnäher auf seine Kutte zu nähen und sich seine verbliebenen Haare abzuschneiden.

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