Tag des Deutschen Bieres – ein Brauereistudent packt aus

20/4/2017
Lebensart
„Hopfen und Malz, Gott erhalt‘s“

Deutschland und seine Biere. Kein anderes Land der Welt nimmt das Getränk aus Hopfen und Malz so ernst wie wir. Aber es gibt ja auch, so viel zu beachten. Die richtige Mischung von Hopfen, Malz, Hefe und Wasser, die Gärzeit sowie die Kohlensäurezufuhr. Wir haben uns den Tag des Deutschen Bieres am 23. April 2017 zum Anlass genommen, einem Studierenden der Brauerei- und Getränketechnologie ein paar Fragen zu den Themen Bier, Bierbrauen und Bierkultur zu stellen. Dabei ist natürlich auch der Spaß nicht zu kurz gekommen. Das lässt sich bei einem solchen Thema wohl (zum Glück) auch kaum vermeiden.

Der Tag des Bieres 2017 – Geständnisse eines Brauerei- und Getränketechnologiestudenten

Marten Suckert*, 27, studiert seit dem Wintersemester 2010 an der TU Berlin Brauerei- und Getränketechnologie. Im Zuge seiner Bachelorarbeit mit dem Titel "Influences of Roasted Barley, Malt and Greenmalt on Oxidative Beer Stability" konnte er sich im Labor des Fachgebietes Brauwesen technologisch richtig austoben. Er freundete sich mit dem Massenspektrometer mit induktiv gekoppeltem Plasma zur Bestimmung der Eisenkonzentrationen an und baute auch seine Beziehung zu der Elektronen-Spin-Resonanz-Spektroskopie aus, um Aufschluss über die Radikalbildung in einzelnen Proben und deren oxidative Stabilität zu bekommen. Offensichtlich hat mir Marten Suckert das Ganze diktiert, aber ich denke, wir sind uns einig, dass er weiß, wovon er spricht. Wenn Dich das noch nicht von seiner Qualifikation für unser Bier-Kreuzverhör überzeugt, dann sollten die nächsten Fakten jegliche Zweifel ausräumen: Er hat lange Haare, hört Hard- und Stonerrock und tourt mit seiner Band ein paar Mal im Jahr durch Deutschland und Europa. Kurzum: Er ist der ideale Kandidat für eine kleine Fragerunde über das allseits geliebte isotonische Hopfengetränk. Los geht’s.

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Ordentlich in Reih und Glied aufgestellt zum Tag des Deutschen Bieres 2017.

Am Sonntag den 23. April feierte Deutschland den Tag des Deutschen Bieres. Was bedeutet Dir Bier persönlich? Wie bist Du zum Bier gekommen und ist es für Dich mehr als nur ein Getränk?

Ich denke, die ersten Bier-Erfahrungen mit 14-15 hatten noch nicht allzu viel mit Genuss zu tun. Dennoch ist Bier schnell zum ständigen Begleiter während der jungen wilden Bubenzeit geworden. Ob auf Festivals, im Sommer am See mit Freunden oder am Freitag Abend im verrauchten Proberaum eines Kumpels. Dann erkannte ich doch schon relativ schnell, dass es da eine Menge Sorten zu entdecken gab und Bier nun einmal nicht gleich Bier ist. Trotzdem habe ich damals noch nicht damit gerechnet, dass ich mich später einmal im Studium oder im Beruf damit beschäftigen werde.

Wenn Menschen hören, was Du studierst, sagen die meisten sicherlich so etwas wie: "Haha, richtig gut". Ging es Dir bei der Studienfindungsphase ähnlich oder hast Du etwas weitergedacht als: "Es kann nicht schaden zu wissen, wie ich mein eigenes Bier braue"?

Als ich mir nach Schule und Zivi so langsam klar werden musste, wohin es denn später gehen soll, hatte ich ehrlich gesagt nicht wirklich einen Plan. Ich wollte gerne nach Berlin und irgendetwas Naturwissenschaftliches studieren. Als ich dann die Studiengänge durchging und auf die Brauerei- und Getränketechnologie stieß, stand das natürlich ganz oben auf meiner Liste und ich dachte mir so „Haha, richtig gut“. Ich musste schnell feststellen, dass wesentlich mehr Mathe und Theorie dahinter steckt, als man denkt. Aber heute bin ich froh, dass ich mich trotzdem durchgequält habe.

Bier selber zu brauen, ist für Dich Arbeit und Hobby zugleich. Hast Du schon das ultimative Rezept gefunden? Was sagen Freunde und Familie zu Deinen Kreationen?

Ich glaube nicht, dass es so etwas wie das ultimative Rezept gibt. Ich gebe natürlich immer gerne ein paar Kostproben herum. Meine Freundin sagt, wenn ich braue, meistens nur: „Verdammt, die ganze Bude stinkt schon wieder!“

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Bier kaufen war gestern. Bier selber zu brauen, ist die Zukunft.

Letztes Jahr feierten wir 500 Jahre Reinheitsgebot – der ganze Stolz von Deutschlands Brauern und irgendwie auch von der restlichen Bevölkerung. Würdest Du es aber manchmal nicht einfach gern umgehen, um einen bestimmten Prozess zu beschleunigen oder ein (in Deinen Augen) besseres Ergebnis zu erreichen?

Ich habe das Gefühl, dass die Brauer da sehr geteilter Meinung sind. Viele sind in dieser Hinsicht sehr traditionell, andere fühlen sich hingegen durch das Reinheitsgebot gegenüber Brauereien im Ausland, die nicht daran gebunden sind, benachteiligt. Ich persönlich denke, man sollte es ein wenig lockern. Immerhin habe ich schon genug wirklich gute Biere getrunken, die nicht nach dem Reinheitsgebot gebraut waren.

Laut Statistik liegen die Deutschen hinsichtlich des Bierkonsums in Europa pro Kopf auf Platz 2 (106 Liter) – knapp vor Österreich (105 Liter) und deutlich hinter Tschechien (143 Liter). An den gebrauten Bieren kann es nicht liegen, denn Deutschland ist Brau-Europameister. Was löst das in Deinem Herzen aus, wenn die Leute einfach nicht „genügend“ von dem guten gebrauten Bier trinken?

Das macht mich natürlich sehr traurig. Schockiert bin ich allerdings darüber, dass die Österreicher so knapp hinter uns sind. Bis jetzt waren alle Biere, die ich da probiert hab, nicht so besonders. Es kann aber auch sein, dass mir während meinen Reisen im Namen des Rock'n'Roll nur Schrott aufgetischt wurde.

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Der Inbegriff der Ästhetik.

Gerade in Berlin führt kein Weg an Craft-Bieren, IPAs und Konsorten vorbei. Was hältst Du von derlei Gebräu?

Ich freue mich darüber, denn da sind echt viele leckere Sachen dabei. Umso besser ist es, wenn man inzwischen viele lokale Biere auch schon im Supermarkt oder in der Kneipe des Vertrauens findet.

Die Geschmäcker sind verschieden – eine Weisheit, die auch nicht vor dem Bier Halt macht. Doch alles hat irgendwo seine Grenzen, oder? Was ist für Dich die größte Biersünde?

Dazu fällt mir gerade nichts ein.

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Die wohl größte Biersünde.

Denkst Du (unterbewusst) schlechter von Menschen, die kein Bier oder nur Mischbier mögen?

Es ist eigentlich unfair, aber es ist tatsächlich so. Was ist denn nur los mit euch? Aber ich habe auch schon einige bekehrt, die mir noch heute dafür danken. Ich akzeptiere es natürlich, wenn jemand überhaupt keinen Alkohol trinkt. Aber Mischgetränke trinken und kein Bier mögen? Das ist mir ein Rätsel.

Bier ist das gesellschaftlich akzeptierte soziale Schmiermittel schlechthin, aber auch der Grund für viele peinliche Situationen. Wie lautet Deine lustigste Bierstory?

Ich hatte vor zwei Jahren einige Freunde eingeladen und noch einige Flaschen der ersten Heim-Brauversuche auf Lager. Einer sagte: „Eins von deinen probiere ich noch und dann gehe ich nach Hause.“ Ich hatte zu viel Kohlensäure auf den Flaschen und bevor ich ihn warnen konnte, schoss sich mein Kumpel den Kronkorken direkt ins Auge. Als wir mit dem Lachen fertig waren, wurde uns der Ernst der Lage bewusst und wir riefen einen Krankenwagen. Mein Freund musste mit zwei Stichen am Augenlid genäht werden. Er hat es sportlich genommen und sich im Nachhinein nur geärgert, dass er das Bier nicht mit in den Krankenwagen genommen hat.

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Hätte der Freund es auf diese vollkommen sichere Variante gemacht, wäre das Augenlid heil geblieben.

Wie bist Du den Tag des Deutschen Bieres 2017 begangen?

Ich habe auf meinen Flug von Stockholm nach Berlin gewartet und mich geärgert, dass das Bier im Flughafen 8 € kostete.

Fazit des bierigen Stammtischs

Wir bedanken uns bei Marten für seine Zeit und die Einblicke in das Leben eines Brauerei- und Getränketechnologiestudenten. Wir sind definitiv klüger als zuvor und konnten uns das Schmunzeln an einigen Stellen nicht verkneifen. Ich hoffe, Dir ging es ähnlich, und Du fühlst allmählich die Vorfreude auf die Park- und Festivalsaison in Dir aufkommen. Damit Dein Bier in der Sommerhitze nicht sofort warm wird, verordnet Dir DailyDeal einen praktischen Cooling Cube, der Dein Bier auch bei mehr als 30 Grad über Stunden kühl hält. Triff Dich mit Deinen Freunden an eurer Lieblingslocation und gönnt euch ein kühles Blondes in der sommerlichen Wärme. Mit dieser Kühlbox siehst Du außerdem fast so cool aus wie ein selbst Bier brauender Brauerei- und Getränketechnologiestudent – aber nur fast.

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*Name geändert

Alle GIFs via Giphy

Gordon Herenz

Gordon, gebürtiger Lektor mit Vorliebe für das Schreiben von Online-Content, ist für das Textkonvolut im DailyDeal-Magazin verantwortlich. Seine Leidenschaft für das geschriebene Wort wurde früh von seiner Oma geweckt, die ihm unter Blut, Schweiß und Tränen bei seinen Hausaufgaben half. Ab der Gymnasialzeit in Cottbus schaffte er es, seine Gedichtinterpretationen auch weitestgehend allein zu bewältigen. Ein Erfolg, der ihn dazu verleitete, sich als Germanistik-Student in Potsdam zu verdingen. Stationen an der Uni und in der Start-up-Landschaft von Berlin-Mitte folgten, bevor es ihn 2016 nach Alt-Moabit zu DailyDeal verschlug. Seine freie Zeit verbringt er damit, Aufnäher auf seine Kutte zu nähen und sich seine verbliebenen Haare abzuschneiden.

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