Deutsche Sagen & Legenden – unsere mythische Republik

1/3/2017
Weltenbummel

Das Nibelungenlied ist sicher die bekannteste unter den deutschen Sagen, doch bei weitem nicht die einzige. Die erste Aventiure (das erste Abenteuer) des mittelalterlichen Epos von Heldenmut, Intrigen, Verrat und (verlorener) Ehre beginnt mit diesen wunderbaren, mittelhochdeutschen Zeilen, die zahllose Germanistik-Studenten wohl im Schlaf aufsagen können:

Uns ist in alten Mæren | wunders vil geseit
Von Helden lobebæren, | von grôzer arebeit,
Von freuden, hôchgezîten, | von weinen und von klagen,
Von küener recken strîten | muget ír nu wunder hœren sagen.

Auf Neuhochdeutsch bedeutet das nach der Übersetzung von Karl Simrock soviel wie:

Viel Wunderdinge melden | die Mären alter Zeit
Von preiswerthen Helden, | von großer Kühnheit,
Von Freud und Festlichkeiten, | von Weinen und von Klagen,
Von kühner Recken Streiten | mögt ihr nun Wunder hören sagen.

In diesen vier Eingangszeilen der Nibelungensage stecken bereits die großen Themen der deutschen Sagen – Altertümlichkeit, Wundersames, Heldentaten, Tapferkeit, aber auch Beklagenswertes, Verlust und Tränen. Im Folgenden geben wir Dir einen Überblick über das mythische Deutschland.

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Harz im Nebel: Ist das nicht der optimale Nährboden für deutsche Sagen?

Deutsche Sagen, Mythen, Märchen, Weisen und Legenden

Grimms Märchen kennt jeder. Das Land der Dichter und Denker bietet aber weit mehr als nur Schneewittchen, Rapunzel und Co. Die einzelnen deutschen Regionen haben
verschiedenste deutsche Sagen hervorgebracht. Dass Du zwischen versteinerten Frauen, Zwergen und anderen Wunderwesen zum Beispiel während der vielen Brückentage 2017 auch noch ganz gut Urlaub machen kannst, zeigen wir Dir auf unserer Deutschlandreise durch die Fabelwelt.

Berchtesgadener Land – Berge, Steine und Zipfelmützen 

Das Berchtesgadener Land an der deutsch-österreichischen Grenze ist aufgrund seiner bizarren Felsformationen und einzeln aufragenden Steinelementen ein sehr guter Nährboden für deutsche Sagen, die sich um das Gebirge drehen. Auf Deinem Kurztrip nach Freilassing begegnest Du in der landschaftlich einzigartigen Gegend steinernen Schönheiten und hutzeligen Männchen mit Zipfelmützen. Aber Vorsicht: Ein falscher Schritt und Du bist zwischen den Zeiten gefangen.

Die steinerne Agnes – zu schön, um Stein zu sein

Wie bei den meisten sagenumwobenen Stätten finden sich auch hier verschiedenste regionale Legenden. Eine von ihnen besagt, dass eine hübsche Sennerin sich Hals über Kopf in einen schneidigen Jägersmann verguckte und ein uneheliches Kind von ihm bekam. Die einst so lebensfrohe Frau schämte sich dessen unglaublich und ließ sich vom Teufel dazu überreden, das Kind zu töten. Des Teufels Freud ist Gottes Leid, denn der war natürlich nicht über diese frevelhafte Tat erfreut. Die Strafe folgte auf dem Fuße: Was böse ist, mach zu Stein! Blöd für Agnes, gut für Wanderer im Berchtesgadener Land, denn die können sich nun an der 10 Meter hohen Felsformation im Lattengebirge erfreuen.

Der Untersberg – das Bermuda-Dreieck Bayerns

Der Untersberg an der Grenze zwischen Bayern und Salzburg hat viele Namen. Die einheimische Bevölkerung nennt ihn Wunderberg, der Dalai Lama bezeichnete ihn als „Herzchakra“ Europas. Zahlreiche Tunnel und Höhlen schlängeln sich durch das 70 Quadratkilometer große Bergmassiv. Die vielen Räume sind aber auch bitter nötig, denn hier wimmelt es nur so von kleinen Bewohnern. Im Innern des Berges hüten Zwerge unvorstellbare Reichtümer. Aber auch sehr menschliche Bewohner hausen in den Gängen. Im Untersberg ticken die Uhren nämlich ein bisschen anders oder auch gar nicht. Berichtet wird von Menschen, die in den Dickichten des Unterbergs wanderten und gefühlt nach ein oder zwei Tagen in ihr Dorf zurückkehren wollten. Als sie wieder in ihren Heimatort kamen, stellten sie jedoch fest, dass einige Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte ins Land gezogen waren. Der neuen Zeit überdrüssig, machten sie sich wieder auf den Weg in die Höhlen des Unterbergs und leben dort nun in einer Art „Spiegelwelt“. Anders als bei vielen anderen Legenden und deutschen Sagen wird auch heutzutage noch von aktuellen Leidtragenden dieser Zeitlöcher im Berchtesgadener Land berichtet.

Der Harz – wandern zwischen tanzenden Hexen sowie Kaisern im Dornröschenschlaf

Urlaubsziele in Deutschland, die von allen Ecken des Landes gleich schnell erreichbar sind, gibt es nicht viele. Eines davon ist jedoch der in der Mitte Deutschlands liegende Harz. Für Erkundungen des Landstriches empfehlen wir Dir einen Aufenthalt im Hotel Auerhahn in Bad Suderode. Von hier aus ist es nur ein (um in der Welt der deutschen Sagen zu bleiben) Zwergensprung bis zu sagenumwobenen Orten wie dem Hexentanzplatz auf dem Brocken, der Einhornhöhle oder dem Kyffhäuser, in dem Friedrich Barbarossa bis zu seiner Auferstehung schläft.

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Sagenhafte Aussicht vom Hexentanzplatz auf dem Brocken | Unsterblich seit Goethes "Faust".

Die Einhornhöhle – von Wundertieren und Scharlatanen

Es glitzert, es ist flauschig und es speit Regenbögen – das Einhorn ist das Trend-Tier überhaupt. Wenn auch Du ein Fan des Superstars unter den Paarhufern bist, solltest Du Dir einen Besuch in der Einhornhöhle bei Herzfeld nicht entgehen lassen. Die Einhornhöhle und der Harz im Allgemeinen sind nämlich seit Jahrtausenden ein Hotspot der Einhorn-Manie. Schon Cäsar ließ vor über 2.000 Jahren nach Einhörnern in der Höhle suchen. Ihm folgten so illustre Besucher wie Gottfried Wilhelm Leibniz und Johann Wolfgang von Goethe. Aber warum eigentlich der ganze Aufruhr im beschaulichen Harz? Irgendjemand hatte Julius Cäsar, römischer Feldherr und Fan von flauschigen Regenbogentierchen, erzählt, dass in der bewaldeten Gegend rund um die Höhle Einhörner hausen. Da ließ sich Julius natürlich nicht lange bitten und begab sich auf die Suche. Der Universalgelehrte Leibniz war eher am medizinischen Nutzen der einst dort lebenden Einhörner interessiert. In der Einhornhöhle im Harz wurden Unmengen von Knochen gefunden, die keinem Tier zuzuordnen waren. Klar, das müssen Einhornknochen sein, dachten sich findige Geschäftsmänner. Der Handel mit Einhornknochen war nämlich äußerst lukrativ. Zermahlene Einhornknochen galten damals als Allheilmittel. Wie so oft hat aber auch in diesem Fall der Zahn der Zeit den Zauber der Geschichte weggepustet. In Wahrheit waren die Knochen Überreste von eiszeitlichen Tieren. Was aber nicht heißt, dass sich in den Dickichten rund um die Einhornhöhle nicht auch heute noch einzelne Exemplare der Gattung Einhorn verstecken. Vielversprechender als dieser Ort ist wohl keiner für Deine Einhorn-Expedition.

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Die Einhornhöhle im Harz | Deutsche Sagen auf vier Hufen.

Friedrich Barbarossa – warten auf den richtigen Moment

Geografisch gesehen nicht ganz im Harz gelegen, aber von dort aus äußerst gut erreichbar, ist der Kyffhäuser. Im thüringischen Mittelgebirge geht es eher beschaulich zu, denn hier hat der Sandmann Hochkonjunktur. Nach einer der am weitesten verbreiteten deutschen Sagen ruht in den Tiefen des Berges seit Jahrhunderten der als Friedenskaiser bekannte Friedrich Barbarossa. Der ehemalige Herrscher schlummert, umringt von seinem kompletten Hofstaat und mit der Krone auf dem Kopf, auf seinem Thron. Nach der langen Zeit unter Tage ist sein roter Bart (sein Markenzeichen) schon zweimal um den Tisch herumgewachsen. Er wartet auf den richtigen Zeitpunkt, um den Kyffhäuser zu verlassen und das Reich wieder zu vereinen. Alle 100 Jahre wird ein Zwerg an die Oberfläche geschickt, um zu schauen, ob die Raben immer noch den Berg umkreisen. Ist dies der Fall, ist die Zeit noch nicht reif und Friedrich Barbarossa fällt für weitere 100 Jahre in den Schlaf. Die Sage beruht auf der Sehnsucht nach einem geeinten Reich und entstand nach dem Zerfall des Stauferreiches im Jahre 1250, was für die Menschen das Ende einer relativ friedlichen und lebenswerten Zeit bedeutete.

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Hier sitzt er und wartet schlafend – Friedrich Barbarossa | "Detailsuche" am Kyffhäuserdenkmal.

Der rheinische Sagenweg – jeder Schritt eine Legende

Auch das Rheinland lässt sich in puncto Sagen nicht lumpen und bietet seit dem Jahr 2005 den rheinischen Sagenweg an. Auf 586 Kilometern dreht sich alles um deutsche Sagen aus dem Rheinland. Auf der touristischen Route werden Rhein, Mosel, Lahn und Nahe sowie 48 ausgewählte Orte besucht. Jede Etappe widmet sich einer anderen Sage. Wenn Du nach dem Ausflug in die Welt der Sagen und Legenden einen Zwischenstopp in der realen Welt einlegen möchtest, sind ein paar Tage im Hotel "Kölnisch Wasser" in Köln zu empfehlen.

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Aussicht vom Loreley-Felsen aus auf die gefährliche Rhein-Enge.

Die Klassiker des Rheins – die Nibelungensage und die Loreley

Was wäre ein Ausflug in die mythologische Welt des Rheinlandes ohne die Nibelungensage und die Loreley. Natürlich widmet sich der rheinische Sagenweg auf zwei Etappen den zwei bekanntesten deutschen Sagen. Auf Etappe sechs kommst Du am Siebengebirge mit dem berühmten Drachenfelsen vorbei. Hier soll Siegfried, der Held der Nibelungensage, gegen einen Drachen gekämpft und dann zur Erlangung der Unverwundbarkeit in dessen Blut gebadet haben. Knappe 100 Kilometer weiter dem Rhein folgend steht die Loreley. Der Schieferfelsen, der Touristen aus aller Welt anzieht, wurde mitsamt dem „Tal der Loreley“ zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Der Rhein hat hier seine tiefste, engste und gefährlichste Stelle. Diese fatale Mischung sorgte dafür, dass viele Schiffe an dieser Stelle Schiffbruch erlitten. Eine Schuldige wurde schnell gefunden: Die schöne Loreley, die angeblich auf dem Felsen sitzt, ihr goldenes Haar kämmt und dabei ein Lied singt, brachte die – männlichen – Seefahrer so sehr um den Verstand, dass sie sich nicht mehr auf das Fahren konzentrieren konnten.

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Er gehört zu den bekanntesten deutschen Sagen | der Loreley-Mythos.

Schwarzwald – dunkle Wälder und düstere Legenden

Der Schwarzwald ist eines der beliebtesten Urlaubsziele in Deutschland. Die hohen Berge, die grünen Wälder und die blühenden Wiesen laden zu einer Auszeit vom Leben in der Stadt und dem Alltagsstress ein. Neben dieser heiteren Natur hat der Schwarzwald aber auch eine andere, nicht minder schöne, Seite zu bieten. Wenn die Nebelschwaden sich um die hohen Bergkuppen schlängeln und man in der Ferne das Schreien eines Käuzchens hört, wird klar, warum gerade hier der Ursprung vieler düsterer deutscher Sagen liegt. Während die meisten Figuren der Sagen hier ein eher anstrengendes Dasein fristen, kannst Du in einem Wellnesshotel im Schwarzwald hervorragend entspannen und Dich von hier aus auf Deine Reise durch die Sagenwelt machen.

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Der Schwarzwald, eines der beliebtesten Urlaubsziele Deutschlands nicht nur im Herbst.

Der Mummelsee – tiefe See und gefährliche Leidenschaft

Einsam in 1.000 Meter Höhe gelegen, das schwarz-glänzende Wasser bis zu 17 Meter tief und eingerahmt von steilen mit dunkelgrünen Tannen bewaldeten Berghängen – würde man sich die perfekte Umgebung für deutsche Sagen ausmalen, der Mummelsee käme dem Ideal erschreckend nahe. Wer den Mummelsee einmal gesehen hat, vermutet schnell, dass die Legenden, die sich um diesen See ranken, keinesfalls freundlicher Natur sein können. Laut der Sage des Mummelsees steht auf dem Grund des Sees ein kristallenes Schloss, in dem Nixen wohnen. Sie seien in früheren Zeiten tagsüber ins Tal gekommen und halfen den Bauern und Holzfällern bei ihrer Arbeit. Am Abend jedoch – das hatte ihr König befohlen – mussten sie in das Schloss zurückkehren. Da Nixen aber eben auch nur Frauen sind, verliebte sich eine von ihnen in einen Bauernsohn und vergaß wegen ihrer rosaroten Brille die Zeit. Voller Zorn über diesen Ungehorsam tötete der König die Nixe, die sterbend blutrote Wellen ans Ufer des Sees schickte, um ihren Geliebten von ihrem Schicksal zu unterrichten.

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Mummelsee | Klingt süß, die Sagen, die sich um ihn ranken, sind es aber eher weniger.

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Franziska Schmidt

Aufgewachsen (und geboren) auf den Straßen Berlin-Kreuzbergs, bevor es cool war, ist Franzi inzwischen altersbedingt im beschaulichen Ü60-Bezirk Tempelhof untergekommen. Nachdem sie an der Freien Universität Berlin Hebräisch und Jiddisch gelernt hat, gab sie ihrem Leben unter anderem mit PR-Arbeit für DJ Tomekk und Sarah Wiener Sinn. Um sich von diesem Knochenjob abzulenken, gründete sie den FC Lambajuuun und ging auf Titeljagd in der Bunten Liga Berlin (drei Jahre in Folge das Double!!!). Siegverwöhnt und mit hohen Ambitionen betrat sie im Jahr 2016 das Vereinsheim der SpVgg DailyDeal und läuft seitdem unter tosendem Beifall in der Startelf der Redaktion auf.

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